Neßmersiel

Natur erleben zwischen Watt und Deich

Die Landschaft entlang der Nordseeküste ist weltweit einzigartig. Wattenmeer, Strand, Salzwiesen und Deichvorland sind der Lebensraum typischer Tier- und Pflanzenarten. Das Wechselspiel der Gezeiten – von Ebbe und Flut – bestimmt seit Jahrtausenden das Leben der Küstenbewohner.

Kinder spielen im strandnahen Watt

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Da wo der Badestrand von Neßmersiel endet, beginnt die strenge Schutzzone eines Nationalparks. Hier brüten Vögel, leben Seehunde, Kegelrobben und viele andere Tiere. Im Frühling und Herbst machen zahlreiche Zugvögel (wie Alpenstrandläufer, Austernfischer, Kormorane, Säbelschnäbler, Brandgänse und Kiebitze) in der Nähe von Neßmersiel Station. Der Mensch ist im „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ nur ein Gast, der sich auf festgelegten Wegen vorsichtig der Natur nähert. Wer sich darauf einlässt, kann unvergessliche Beobachtungen machen…

Vogelfreunde können Wat- und Wasservögel auch vom Vogelbeobachtungsturm am Neßmersieler Yachthafen ungestört beobachten. Die Fernrohre des Turms blicken direkt auf den so genannten Speicherpolder, der bei den Tieren sehr beliebt ist.

Vom Vogelbeobachtungsturm führt ein 0,5 Kilometer langer Salzwiesen-Erlebnispfad bis zum Startpunkt der Wattführungen. Auf Schautafeln ist dargestellt, wie die Salzwiesen immer wieder vom Meer überflutet werden, sodass sich eine einmalige, robuste Pflanzenwelt herausgebildet hat.

Wattwanderung von Baltrum nach Neßmersiel – © Kurverwaltung Baltrum

Wattwanderungen

Mit den eigenen Füßen über den Meeresboden laufen: Für viele Urlauber ist eine Wattwanderung der Inbegriff von Nordsee schlechthin. Die Geographie vor der Neßmersieler Küste bietet dafür ideale Voraussetzungen. Die geführten Touren führen vom Hafen bis zu den Inseln Baltrum oder Norderney. Für die 6,5 Kilometer lange Strecke nach Baltrum braucht eine Wandergruppe etwa 2,5 Stunden. Unterwegs erklärt der Wattführer nicht nur die Natur, sondern gräbt natürlich auch allerlei Getier aus dem Schlick – zum Beispiel den obligatorischen, bis zu 40 Zentimeter langen Wattwurm. Auf dem Rückweg von Baltrum fährt die erschöpfte Gruppe übrigens mit der Fähre.

Hochwasserpegel

Der Deich ist mehr als Dekoration

„Unter dem Deich“ ist die ideale Strecke für Radfahrer: 53 Kilometer führt der Radweg immer unter der Deichkrone entlang, von Norddeich im Westen, vorüber an Neßmersiel, bis nach Bensersiel im Osten. Windgeschützt und fast frei von Autoverkehr ist dieser „Nordseeküsten-Radweg“.

Was für die Radler einen schönen Effekt hat, ist für die Küstenbewohner existenziell. So wichtig ist der Küstenschutz, dass ein eigens ernannter „Deichgraf“ ständig über den Zustand dieser von Ingenieuren ausgetüftelten Bollwerke wacht.

Wer bei schönstem Wetter am Hauptdeich steht (die zweite Deichlinie hinter dem niedrigeren Vordeich), kann sich kaum vorstellen, dass die schwersten Sturmfluten beinahe die Deichkrone erreichen. Ein Pegel am Ortsausgang von Neßmersiel zeigt, bis wohin das Wasser in der Vergangenheit stieg: 5,90 Meter über normal im Jahr 1973; 6,70 Meter im Jahr 1906; aktuelle Deichhöhe 7,10 Meter. Im März 1906 überflutete die Nordsee den damals noch niedrigeren Deich und erreichte auch Neßmersiel. Zum Glück richtete die Flut kaum ernsthafte Schäden an und die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon.